Turmhof - Stiftung 3
Tagblatt Online, 21. März 2012 01:07:00 Flugblatt gegen StiftungWahrzeichen von Steckborn: Der Turmhof. (Bild: Archivbild: Reto Martin) STECKBORN. Gestern landete ein Flugblatt in allen Steckborner Haushalten. Erneut erhebt Doris Hertner Vorwürfe gegen die von ihr gegründete Turmhof-Stiftung. Die Stiftung nimmt das zur Kenntnis.GUDRUN ENDERS Gestern gab es offenbar eine Krisensitzung. Die Turmhof-Stiftungsräte trafen sich, um über das Flugblatt zu beratschlagen, das in Steckborn verteilt wurde. Das achtseitige Schriftstück hat die Stiftungsgründerin verfasst. Darin klagt sie die Stiftung massiv an und fordert unter anderem den Rücktritt von Stiftungspräsident Alfred Muggli, von Vizepräsident Robert Fürer und von Geschäftsführer Alex Bänninger. Nun flatterte das Flugblatt nicht zu irgendeinem Zeitpunkt in die Steckborner Briefkästen. Denn zurzeit läuft eine Mediation in Sachen Turmhof (TZ berichtete), weil es schon länger zwischen der Turmhof-Stiftung und dem Heimatmuseum kriselt. «Wir sehen eine Mediation als einzige Möglichkeit, um eine Lösung zu finden», sagte Stadtammann Roger Forrer unlängst. Zur Mediation gehört in dem Fall auch, dass die Parteien untereinander kommunizieren und nicht etwa via Medien. Deshalb nehme er keine Stellung, sagt Stadtammann Forrer, der selbst im Stiftungsrat sitzt und dort die Stadt vertritt. Keine StellungnahmeAuch der Stiftungsrat reagierte gestern nach seiner Sitzung: Er habe das Rundschreiben von Doris Hertner zur Kenntnis genommen, teilt der Stiftungsrat mit und verweist ebenfalls auf die Mediation, die zu einer allseits befriedigenden Lösung führen soll. «Bis zum Vorliegen des Ergebnisses haben die Parteien Stillschweigen vereinbart», heisst es weiter. Die Vorwürfe der eigenen Gründerin habe der Stiftungsrat bei früheren Gelegenheiten gegenüber Stifterin, Stiftungsaufsicht, Geldgebern, der Stadt Steckborn und den Medien mit klaren Fakten entkräftet. Und darunter steht: «Keine weiteren Auskünfte.» Eine Stiftung für das MuseumEs ist nicht das erste Mal, dass die Gründerin ihre eigene Stiftung mit Vorwürfen konfrontiert. Viele wiederholen sich, wie etwa die nicht unerhebliche Entlöhnung von Geschäftsführer Alex Bänninger. Auch wegen Misswirtschaft hat Hertner ihre eigene Stiftung mehrfach angeklagt – und die Stiftung legte mehrfach öffentlich dar, wie sie das Geld verwandte. Erstmals aber blickt Doris Hertner persönlich auf die Gründung der Turmhof-Stiftung zurück und bricht damit eine Lanze für das Heimatmuseum: «Unsere Absicht war, der schon seit 75 Jahren im renovationsbedürftigen Turmhof domizilierten Heimatvereinigung den künftigen Verbleib und zudem Erweiterungsmöglichkeiten für das Museum zu sichern.» Ihr Ehemann habe sich schon früher für ein Ortsmuseum an seinem Wohnort Eglisau eingesetzt. Auch sei zur Stiftungsgründung mit Kirchgemeinde und Stadt vereinbart worden, dass im und um den Turmhof ein Museumsbezirk entstehen solle. Das ist auch in der Abstimmungsbotschaft 2003 nachzulesen. Genau um diesen Punkt schwelt ein Konflikt zwischen Turmhof-Stiftung und Heimatmuseum. Die Stiftung wollte bislang die Museumsfläche um zwei Drittel verkleinern und deutlich teurer ans Heimatmuseum vermieten. Dieses wiederum will den gesamten Turmhof nutzen. Doris Hertner wirft der Stiftung unter anderem auch vor, das Museum aus dem Turmhof zu drängen, weil Stockwerkeigentum mehr Rendite bringe. Auch das ist neu, denn bislang sprach die Stiftung von Vermietung, nicht aber von Verkauf des geplanten Wohnraums im Turmhof. Auch deswegen fordert Doris Hertner, dass die «Totengräber der ursprünglichen Stiftungsidee» zurücktreten. |
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